Traditionelles Neujahrstauchen

Neuimjahr

Hackezu und Spaß dabei!

In Scheveningen liegt die gefühlte Temperatur bei -10 Grad. Das ficht den Sponsor Unox nicht an. Er sponsort an der niederländischen Küste 65 Veranstaltungen in denen Menschen in die bitterkalte Nordsee springen. Die Beteiligten, die unter offensichtlich minimierter Gehirnleistung durch übermäßigen Alkoholgenuß in der Nacht zuvor leiden, empfinden ihren masochistischen “Spaß” als persönliche Herausforderung.

An manchen Orten liegt das Eis zwei Zentimeter auf dem Wasser. Rettungsorganisationen warnen intensiv davor solchen “Spaß” alleine zu versuchen. In diesem Sinne:

Guten Rutsch!

Buchempfehlung des Jahres 2009

Meine erste Buchkritik!

Zu Anfang möchte ich auf den merkwürdigen Umstand hinweisen das der deutsche Krimikäufer viele skandinavische Autoren alimentiert. Ein skandinavischer Autor der nicht bei Drei auf den Bäumen ist, der wird garantiert gezwungen einen Krimi zu schreiben. Die Verkaufszahlen schwedischer Kriminalschriftsteller in deutschen Gefilden hat eine Höhe erreicht, die in keinem Verhältnis steht zur Qualität. Nicht missverstehen, es gibt auch gute skandinavische Autoren, Stig Larsson habe ich verschlungen, aber Mankells Textdramatik hatte für mich immer etwas Seniorenhaftes. Ich kann mich noch an einen Beitrag erinnern im 3SAT Kulturmagazin (ca. 3 Jahre her). Da wurde als schwedischer Autor vorgestellt, normalerweise jemand der eher der sogenannten Hochkultur zugewandt ist und sich nun anscheinend zur Finanzierung seines Blockhauses im schwedischen Ikea-Wald an die Szenierung eines Thriller versuchte. Das Fernsehteam besuchte ihn und dieser Typ schaute die ganze Zeit in die Kamera mit dem interessierten Blick eines Elfenbeinturminsassen der sich dachte “So, so, damit wird also der Trog fabriziert um den sich später die Schweine scharren”.

Manchmal werden auch brillante Thriller durch eine unsachgemäße Übersetzung verhunzt. Die deutsche Übersetzung vom Schweigen der Lämmer von Thomas Harris (Erstauflage) beim Heyne Verlag. Das war wohl eine Schnellübersetzung nach dem Motto: Schnell, schnell, Film mit Jodie Foster ist bereits in der Mache, Buch muss vorher raus. Der Übersetzer (nur ein Fehler!) verstand nicht den Unterschied zwischen einem US-Marshall (Justizvollzugsbeamter, manchmal mit Polizeibefugnis, wird übrigens häufiger falsch übersetzt) und einem Sheriff (lokale Polizeiaufsicht, Befugnis endet an der Stadtgrenze). Kleinigkeiten, aber nervig. Im übrigen hat das amerikanische FBI gegenüber dem deutschen BKA oder dem britischen New Scotland Yard eine bemitleidenswert geringe Aufklärungsquote. Hollywood bügelt dies natürlich.

image Einen richtig schönen Flow hat der Ko-Autor meiner Buchempfehlung: der Niederländer Jac. Toes. Zuletzt wurde er für den flämischen Krimipreis, die diamantene Kugel, nominiert. Vorher staubte er bereits eine Nominierung für den Gouden Strop ab, dem Preis für den spannendsten Roman in niederländischer Sprache. Tatsächlich gewann er den Preis im Jahr 1998. Zusammen mit dem deutschen Autor Thomas Hoeps (Hey, wie wäre es mit einer eigenen Homepage) gewannen sie für ihren ersten gemeinsamen Roman “Nach allen Regeln der Kunst” im Jahr 2008 den Gouden Strop. Das erste gemeinsame Buch und direkt abstauben – Punktlandung. Ihr neuestes Buch lautet “Das Lügenarchiv”. Wieder mit den Hauptfiguren aus ihrem ersten gemeinsamen Roman.

Im ersten Roman wird eine Leiche in einem Museum in Mönchengladbach gefunden, dann eine Leiche in Arnheim. Nach dem dritten Mord wird klar, ein Serienmörder schlägt zu. Ein im besten Sinne grenzüberschreitende Roman. In jedem Satz erkennt der geneigte Leser Talent und die genaue Beobachtung gesellschaftlicher Realität. Wie genau ihr Blick ist, verdeutlicht beispielsweise folgender, kurzer Auszug aus ihrem ersten Roman. Mit diesem Beispiel wird ein kompletter beruflicher Zustand bei der Polizei in wenigen Sätzen präzise illustriert:

“Micky erkannte die typische Apathie nach einer nächtlichen Aktion. Um drei Uhr aus den Federn, um vier Uhr das Briefing und um fünf Uhr der Einsatz. Um acht Uhr war das gesamte Adrenalin verbraucht und der Tag hatte nicht mal angefangen”.

Nicht viele deutsche Autoren beherrschen das forcierte Tempo durch den Einsatz der mündlichen Rede. Thomas Hoeps und Jac. Toes hingegen scheinen dieimage darin liegende Möglichkeit zur Dramatik mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Perfekt abgestimmte Spannung wird durch eine natürliche Sprache, faszinierende Ortswechsel und einem chirurgisch scharfen Blick auf gesellschaftliche Missstände beschrieben. Ich empfand die Arbeit der beiden Autoren auf hohem sprachlichen Niveau, ohne allerdings in Goethe-hafter Penetranz darauf hinzuweisen. Gerade letzteres fällt mit häufig bei manchen deutschen Autoren schmerzhaft auf. Der höchst betrübliche Umstand das nur die wenigsten Autoren von ihrer Kunst leben können, wird kompensiert durch das Ich-bin-ein-Genie-und-ihr-Vollspacken-habt-das-noch-nicht-bemerkt Syndrom. Also kunstvoll gedrechselte Sätze die in ihrer grauen Leblosigkeit jede Seite in eine staubtrockene Bleiwüste verwandeln. Ich kann nicht genug betonen wie stark sich Thomas Hoeps und Jac. Toes davon unterscheiden. Die Autoren beschreiben das Leben in seiner satten Fülle.

Bei einem deutsch-niederländischen Autoren-Duo dürfen ironische Seitenhiebe auf den Nachbarn natürlich nicht fehlen. Aus dem Buch “Das Lügenarchiv”:

“…Und er hat akzeptiert, dass sie für eine Überweisung der Kaution nach Deutschland eine satte Gebühr verlangten. So viel Bereitschaft zur Geldverschwendung vergisst ein niederländischer Kaufmann nicht. Erst recht nicht bei einem Deutschen”.

Das erste Buch gefiel mir einen Tick besser, bin aber davon überzeugt das die berufliche Entscheidung ihres Hauptdarsteller Robert Patati am Ende des zweiten Buches viel Hoffnung für einen prallen, dritten Band übrig lässt.

Wer also bei der Riesenauswahl von Thrillern in einer deutschen Buchhandlung verunsichert ist. Bei Thomas Hoeps und Jac. Toes kann er problemlos zugreifen.

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Thomas Hoeps und Jac. Toes – Nach allen Regeln der Kunst. Erschienen im Grafit Verlag. www.grafit.de

Thomas Hoeps und Jac. Toes – Das Lügenarchiv. Erschienen im Grafit Verlag. www.grafit.de

Disclaimer: Die Bücher wurden mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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Damit verabschiede ich mich in die Winterpause.

Allen Lesern des Dutchblog nur das Beste, Schöne, Gute und Wahre.

Illegale Downloads

bof Die Bürgerrechtsbewegung Bits of Freedom hat das Regierungskabinett aufgerufen, das kommende Downloadverbot auszusetzen.

Illegale Downloads werden in den Niederlanden zur Zeit noch anders behandelt wie in Deutschland. Der Download für den persönlichen Gebrauch wird nicht verfolgt, das Anbieten illegaler Downloads allerdings wohl. Für die Jungs und Mädels von Bits of Freedom würde ein Verbot dazu führen, Millionen von Niederländern zu kriminalisieren. Die Bürgerrechtsbewegung macht sich auch Sorgen über die Handhabung und Durchsetzung des Verbotes, denn: “Das Verbot ist nicht durchsetzbar ohne hinter den Bürgern zu spionieren. Die Niederlande müssen dazu Instrumente eines Polizeistaates benutzen”.

Das Regierungskabinett machte im Oktober bekannt, das innerhalb von drei Jahren ein gesetzliches Verbot eingeführt wird. Voraussetzung wäre allerdings, das Anbieter genügend legale Möglichkeiten schaffen müssen um urheberrechtliche Güter (Musik, Film, Spiel, Bücher etc.) anzubieten. Dabei wird zur Zeit daran gedacht einen monatlichen Obolus einzuführen über den die Nutzer dann Musik anhören bzw. austauschen können.

Ein generelles Downloadverbot wie in Deutschland wird in einem nach Popkultur verrückten Land wie die Niederlande sehr schwer durchsetzbar. Prinzipiell finden Niederländer, und hier besonders die konservativen Kräfte, das der Staat nichts in den eigenen 4 Wänden zu suchen hat. Ich erinnere mich das ein populärer Radio-DJ eines Piratensender, ein paar Dörfer weiter, verhaftet wurde und für einen Monat in das Gefängnis musste. Er hatte mehrfach gegen das Sendeverbot verstoßen. Als er entlassen wurde, hing ein großes Willkommenstransparent über seiner Straße, die Häuser waren beflaggt und das halbe Dorf feierte seine Wiederkehr. Er galt als ein populärer Revoluzzer. Eine solche Reaktion kann ich mir in Deutschland nur äußerst schwer vorstellen. Hier in den Niederlanden hört auch jeder Radio, alle Altersklassen, jede politische Richtung, immerzu. Radio-DJs verdienen ein Vermögen und sind landesweit bekannt und beliebt. Niederländischer Schlager und gerne auch deutscher Schlager (von der fiesesten Sorte, brrr) wird hauptsächlich über die im ganzen Land verteilten illegalen Radiosender ausgestrahlt. Da zahlt keiner seine Lizenz-Abgaben. Schlagerparties nennen sich in den Niederlanden auch zunehmend Piratenfeste. Die Kultur des Sharing ist weit verbreitet. Das dies von den Künstlern kritisch beäugt wird, dürfte verständlich sein.

Mit einer Kulturflatrate (die nicht überwacht wird) könnte ich mich allerdings durchaus anfreunden.

Wort des Jahres 2009

ct Mein Wort des Jahres dürfte nur kennen wer ein Nerd ist, oder ein Computer-Geek, ein Hacker, Cracker oder Coder. Alles verständlich?

“Schwuppdizität”

Alle 14 Tage besorge ich mir die Computerzeitschrift c’t. Wer soviel wie ich, beruflich und privat, mit Computern zu schaffen hat (Legende: Atari, PC, Mac, PC, Mac, Mac, Mac, PC, Mac, PC) lässt sich gerne von Deutschlands führendem Computermagazin über die neuesten Trends aufklären. Dieses Magazin prägte auch mein Wort des Jahres, es beschreibt die gefühlte Geschwindigkeit auf mobilen Hand-Computern (iPhone, Palm Pre, Android etc.). Also die Geschwindigkeit von startenden Programmen und der Wechsel zwischen den einzelnen Apps. Allerdings behauptet diese Webseite, das Schwuppdizität ganz allgemein die gefühlte Geschwindigkeit von Computern umschreibt

Während ich meiner Herzallerliebsten das Wort vorstellte fragte ich nur halb im Scherz welches Nomen denn das Wort hätte. Daraufhin meinte Sie: “Schwuppdizität? Bockmist! Ihr Jungs habt manchmal richtig einen an der Klatsche”.

Okay, damit ist klar, das Wort ist männlich. *Smile*

Spruch des Jahres 2009

hud Meine Herzallerliebste hat entschieden:

“I’ll take the Hudson”

Der Pilot der US Airways, Chesley Sullenberger, landete am 15. Januar 2009 im Hudson River von New York. Vom Tower wurden ihm Notlandeplätze angeboten, der Pilot erwiderte, er hätte keine Zeit, er würde den Hudson Fluss nehmen. Die Flugleitkontrolle erwiderte ungläubig:  “Entschuldigung, bitte wiederholen”. Aber da begann bereits der Landeanflug. Es wurde eine Bilderbuchnotwasserung. Perfekt und ohne Opfer.

Wie viele Simplifizierungen hat die Geschichte einen kleinen Haken, der Satz wurde so niemals gesagt, das Original lautet: “We can’t do it. We’re gonna be in the Hudson”. Der ist fast so gut. Aber ich werde mich wieder daran erinnern, wenn ich vor einer scheinbar unlösbaren und unausweichlichen Aufgabe stehe den folgenden Satz zu sagen: “I’ll take the Hudson”.

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