Illegale Downloads
Die Bürgerrechtsbewegung Bits of Freedom hat das Regierungskabinett aufgerufen, das kommende Downloadverbot auszusetzen.
Illegale Downloads werden in den Niederlanden zur Zeit noch anders behandelt wie in Deutschland. Der Download für den persönlichen Gebrauch wird nicht verfolgt, das Anbieten illegaler Downloads allerdings wohl. Für die Jungs und Mädels von Bits of Freedom würde ein Verbot dazu führen, Millionen von Niederländern zu kriminalisieren. Die Bürgerrechtsbewegung macht sich auch Sorgen über die Handhabung und Durchsetzung des Verbotes, denn: “Das Verbot ist nicht durchsetzbar ohne hinter den Bürgern zu spionieren. Die Niederlande müssen dazu Instrumente eines Polizeistaates benutzen”.
Das Regierungskabinett machte im Oktober bekannt, das innerhalb von drei Jahren ein gesetzliches Verbot eingeführt wird. Voraussetzung wäre allerdings, das Anbieter genügend legale Möglichkeiten schaffen müssen um urheberrechtliche Güter (Musik, Film, Spiel, Bücher etc.) anzubieten. Dabei wird zur Zeit daran gedacht einen monatlichen Obolus einzuführen über den die Nutzer dann Musik anhören bzw. austauschen können.
Ein generelles Downloadverbot wie in Deutschland wird in einem nach Popkultur verrückten Land wie die Niederlande sehr schwer durchsetzbar. Prinzipiell finden Niederländer, und hier besonders die konservativen Kräfte, das der Staat nichts in den eigenen 4 Wänden zu suchen hat. Ich erinnere mich das ein populärer Radio-DJ eines Piratensender, ein paar Dörfer weiter, verhaftet wurde und für einen Monat in das Gefängnis musste. Er hatte mehrfach gegen das Sendeverbot verstoßen. Als er entlassen wurde, hing ein großes Willkommenstransparent über seiner Straße, die Häuser waren beflaggt und das halbe Dorf feierte seine Wiederkehr. Er galt als ein populärer Revoluzzer. Eine solche Reaktion kann ich mir in Deutschland nur äußerst schwer vorstellen. Hier in den Niederlanden hört auch jeder Radio, alle Altersklassen, jede politische Richtung, immerzu. Radio-DJs verdienen ein Vermögen und sind landesweit bekannt und beliebt. Niederländischer Schlager und gerne auch deutscher Schlager (von der fiesesten Sorte, brrr) wird hauptsächlich über die im ganzen Land verteilten illegalen Radiosender ausgestrahlt. Da zahlt keiner seine Lizenz-Abgaben. Schlagerparties nennen sich in den Niederlanden auch zunehmend Piratenfeste. Die Kultur des Sharing ist weit verbreitet. Das dies von den Künstlern kritisch beäugt wird, dürfte verständlich sein.
Mit einer Kulturflatrate (die nicht überwacht wird) könnte ich mich allerdings durchaus anfreunden.
Am Samstag bekam Kronprinz Willem-Alexander den niederländischen Spottpreis “Schwarzer Peter”, allerdings erschien er nicht persönlich zur Preisübergabe.